Wenn es nach Meinung der Gewoba geht, braucht Tenever dringend mehr Sicherheit: Erstens um die Vandalismusschäden in Höhe von jährlich ca. 700.000 Mark zu senken. Zweitens, um der zunehmenden Fluktuation zu entgegnen. Denn nach Analyse der Gewoba kehren die Mieter aus Angst und Unsicherheit Tenever den Rücken. Dem sei am besten durch mehr Sicherheit, also mit Videoüberwachung beizukommen. Drittens habe die Gewoba bereits gute Erfahrungen mit den zwei videoüberwachten Häusern in Tenever gemacht. Schaut Mann/Frau aber einmal hinter die Kulissen kommen noch andere (Ur-)Sachen zum Vorschein: Vandalismusschäden - Sachbeschädigung ist in Tenever, genau wie in anderen Großwohnanlagen ein Problem.

 

 

 

 

 

 

 

 

Brände in Tiefgaragen sind gefährlich und machen Angst, wie viele Tiefgaragen überhaupt Angst machen, denn sie sind unwirklich. Sicherheitsglastüren und Licht in den Zwischengängen könnten da schon ein Stück mehr Sicherheitsgefühl erzeugen. Viele der Schäden entstehen in den Häusern des Herrn Krause, denn dort wurde jahrelang nicht saniert und dementsprechend verrottet sieht es aus. Zur Information: Herrn Krause gehört fast halb Tenever. Er ist aber seit längerer Zeit pleite und der Zwangsverwalter lässt nur das absolut Notwendigste ausbessern. Das animiert nicht gerade zu besonderer Sorgfalt. Gut, das ist keine Entschuldigung und die mutwillige Zerstörungswut ärgert nicht nur die Gewoba, auch viele der dort wohnenden und arbeitenden Menschen stehen dem hilflos gegenüber und sind empört. Beginnt man jedoch nur bestimmte Bereiche mit Kameras zu überwachen, werden sich Vandalismus und Kriminalität nur verlagern, eine Lösung des Problems erreicht man damit nicht.

 

 

 

 

 

Videoüberwachung -
Die positiven Erfahrungen beziehen sich auf die bereits laufende Videoüberwachung in Zusammenhang mit Conciergen. In zwei Gewoba-Häusern sitzen im Eingangsbereich Pförtner, deren Aufgabe darin besteht, Flure und Tiefgaragen per Monitor zu überwachen und im Eingang präsent zu sein. Das heißt, wer keinen Hausschlüssel hat, bekommt nicht mehr ohne weiteres Zugang. Die meisten BewohnerInnen und die KollegInnen sozialer Einrichtungen in Tenever sind sich einig, dass diese Häuser eine positive Ausstrahlung haben.
Fluktuation - Neben dem schlechten Zustand vieler Häuser sind vor allem die verhältnismäßig hohen Mieten ein wichtiger Grund für den vermehrten Auszug in den letzten Jahren. Immerhin DM 13,-/qm Kaltmiete mussten gezahlt werden, wenn es keine Zuschüsse oder Beihilfen gab. Tenever ade hieß es dann, auch wenn das Scheiden manchmal weh tat. Aber im Umland oder in anderen Vierteln gab/gibt es billigere Wohnungen. Seit Mitte letzten Jahres sind die Mieten in Tenever nun auch wieder für Wilhelmine NormalverdienerIn zu bezahlen, da hat sich etwas getan, aber eben erst im letzten Jahr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier sehen die Eingangsbereiche und Flure ansprechend aus und die Conciergen vermitteln den BewohnerInnen ein Gefühl von Sicherheit. Als Kollegin einer der sozialen Einrichtungen muss ich an dieser Stelle kurz einen Schwenk in Richtung Sozialabbau machen: Obwohl es in Tenever bis heute eine recht gute Ausstattung an sozialen Einrichtungen gibt, sollen auch hier, wie überall in der Stadt, einige Projekte und Angebote für Kinder und Jugendliche dem Rotstift zum Opfer fallen oder sind schon gekürzt. Obwohl die sozialen und kulturellen Einrichtungen in Tenever beispielhaft kooperieren und von daher das soziale Geflecht gut funktioniert, gibt es keine ausreichende Versorgung für Kinder und Jugendliche, vor allem am Nachmittag und Abend. Soll dieses fehlende Angebot jetzt durch Videoüberwachung kompensiert werden? Geht es um mehr Sicherheit oder ist die Überwachung eine Bankrotterklärung für das Gemeinwesen - diese Fragen muss sich die Politik stellen lassen. Joachim Barloschky vom Nachbesserungsprojekt Tenever schlussfolgert, dass, wer wirklich mehr Sicherheit für Tenever will, sich erstens stark machen muss für ein großes Conciergeprogramm in ganz Tenever. Zweitens sei dann eine Sanierung des Krause-Bereiches notwendig, denn der unwirtliche Zustand dort sorgt für Unsicherheit und Angst. Und schließlich müsse man weitere Schritte gehen zur Stabilisierung der Mieten und die Nachbarschaftsentwicklung stärken. Es gibt also viel zu tun in Tenever und ob Videoüberwachung oder nicht, darüber müssen die BewohnerInnen entscheiden. Im Moment scheint die Mehrheit dafür zu sein. Damit diese Entscheidung aber auf dem Hintergrund von ausreichenden Informationen passieren kann, gibt es in diesem Halbjahr eine Reihe von Informationsveranstaltungen zum Thema Sicherheit/Videoüberwachung. Gabi-Grete Kellerhoff