Die Unsterblichkeit des Retro-Rock

KRISCHAN MEYER

Während die meisten Künstler*innen Vergangenheit als Ästhetik nutzen, hat die australische Rockband Wolfmother sie schlicht nie verlassen. Und trotzdem, oder genau des wegen, füllen sie seit jeher Halle n und Festivalgelände – so auch im August die Kesselhalle im Schlachthof.

Seit Jahren totgesagt und dennoch lebendig und unermüdlich am Touren. Wolfmother ist ein Phänomen in der Rockmusik. Ihr erstes selbstbetiteltes Album gilt als ein Klassiker der Retro Rock-Welle, die Anfang der 2000er-Jahre in die westliche Musikwelt hereinbrach. Neben den White Stripes und den Black Keys war Wolfmother eine der Bands, die die Fahne der Rockmusik in den Wind hielten und ihr zu neuem Ruhm verhalfen. Songs wie »Joker and the Thief« und » Woman« waren in Filmen wie Jackass oder Hangover zu hören.

Als das einzige von der Originalbesetzung verbliebene Bandmitglied spielt der australische Sänger und Gitarrist Andrew Stockdale nach wie vor in ausverkauften Clubs und vor großen Festivalmassen. Der Sound von Wolfmother hat sich in den letzten 20 Jahren kein bisschen verändert.

Die verzerrten Gitarrenriffs und donnernde Schlagzeugfills aus dem zuletzt erschienenen Album »Rock Out« hätten nicht nur bereits auf dem Debüt ihren Platz haben können, sondern auch schon auf Classic-Rock-Alben der frühen Siebziger Jahre. Black Sabbath und Deep Purple lassen grüßen.

Nicht nur in der Rockmusik ist diese auditive Nostalgie zu beobachten. Auch Sabrina Carpenter, eine der bekanntesten temporären Popkünstlerinnen, bedient sich offen an den Ästhetiken der Achtiziger Jahre. Zuletzt teilte sie sich mit Madonna auf dem Coachella-Festival die Bühne. Auch die Soundtracks der großen Hollywoodfilme sind, zugespitzt gesagt, eine Top-Forty Playlist aus den letzten 50 Jahren Musikgeschichte. Doch was zieht die Menschen zu Musik hin, die sich nicht nur von vergangenen musikalischen Epochen beeinflussen lassen, sondern diese aktiv versuchen wiederzubeleben? Vielleicht wollen sich die Hörer*innen in eine Zeit zurückversetzen, die von den Krisen und Ungewissheiten der Gegenwart ablenkt. Vielleicht war die Musik früher tatsächlich besser. Die Zahl der Antwortmöglichkeiten ist wahrscheinlich so hoch wie es Einwohner*innen auf diesem Planeten gibt. Anders als Sabrina Carpenter hat Wolfmother jedoch kein Management und kein Majorlabel im Rücken und auch keine kommerziellen Ambitionen.

Am 06.08. um 20 Uhr spielen Wolfmother in der Kesselhalle des Schlachthofs und werden die Herzen der Fans von Blues und Psychedelic beeinflusster Rockmusik höher schlagen lassen.

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