Bremens Denkmäler

JOHANNA RIEMENSCHNEIDER

Jährlich im September öffnet der „Tag des offenen Denkmals“ bundesweit Türen zu Orten, die sonst verschlossen bleiben, und lädt dazu ein, für einen Tag selbst Tourist*in in der eigenen Stadt zu werden. Unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur” lag der Fokus in diesem Jahr auf den Verbindungen zwischen Bauwerken, Menschen und Gesellschaft.

In Bremen und Bremerhaven konnten 65 Orte besichtigt werden: Von historischen Gebäuden wie dem Bremer Dom, Friedhöfen, ehemaligen Bahnhöfen bis zu Gebäuden der jüngeren Geschichte, wie dem Aalto-Hochhaus in der Neuen Vahr, dessen Architektur sich dem Rhythmus der Arbeitswelt beugt und sich gen Feierabendsonne ausrichtet.

Wer den Aktionstag verpasst hat, muss dennoch nicht auf eine Entdeckungstour verzichten. In Bremen gibt es das ganze Jahr über zahlreiche Möglichkeiten, verborgene Denkmäler und ihre Geschichte kennenzulernen, beispielsweise bei den Touren von StattReisen Bremen e.V. Thorsten Jahn führt hier regelmäßig Gruppen durch die Bremer „Unterwelt“. Dabei macht er auch Halt im ABC-Hochbunker in Findorff. Der Bunker ist vor allem für das 400 Quadratmeter große Wandbild des Künstlers Jürgen Waller bekannt. Es zeigt Szenen der Verfolgung, Verhaftung und Hinrichtung durch das NS-Regime und ist den Gegner*innen und Opfern des Faschismus gewidmet. Zugleich erinnert es an das einst in unmittelbarer Nähe gelegene KZ Mißler, Bremens erstes KZ, in dem ab 1933 vor allem politische Widerstandskämpfer*innen interniert wurden.

Doch auch hinter Stahl und Beton verbirgt sich Geschichte. Wenn Jahn die Besucher*innen durch die Gasschleuse und tiefer in die Enge des Bunkers führt, wird die Beklemmung mit jedem Schritt spürbarer. Der erst im Kalten Krieg fertiggestellte Bunker sollte einst 3.500 Menschen bis zu 14 Tage lang Schutz bieten. Vermeintlichen Schutz, wie Jahn betont: „Bunker wie dieser waren einzig und allein zur Beruhigung der Bevölkerung gedacht.“ Denn im Ernstfall eines Atomkriegs wären die Menschen „zwei Wochen später und viel qualvoller verstorben“, gibt er zu bedenken.

Jahns persönlicher Tipp für eine weitere Entdeckungstour sind der „Elefant“ am Bremer Bahnhof und die Krypta unter seinem Sockel, die weit weniger bekannt ist als das zehn Meter hohe, auffällige Monument. 1932 als „Koloniales Ehrenmal“ eingeweiht, wurde es zum Symbol kolonialrevisionistischer Bestrebungen und der zugrunde liegenden rassistischen Ideologie. Erst 1989 wurde der Elefant zum „Antikolonialen Mahnmal“ umgewidmet.

Alte und neue Gebäude, Denkmäler und Mahnmale, sichtbare Wahrzeichen und verborgene Räume: Die Orte, an denen Geschichte bewahrt wird, sind so vielfältig wie die Geschichten selbst. Und vielleicht lädt gerade die kalte Jahreszeit dazu ein, auch hinter bekannten Fassaden Neues zu entdecken.

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