In den 1960ern fing der öffentlich-rechtliche Rundfunk an, sogenannte Gastarbeiterprogramme zu senden. Also Sendungen, in denen es einerseits um Nachrichten aus den Heimatländern der angeworbenen Arbeiter*innen ging, andererseits Themen rund um das Leben in Deutschland behandelt wurden. Hier gab es Raum für die Schwierigkeiten, die man in einem fremden Land und einem fremden System eben erlebt. Ende der 1990er überführten der WDR und Radio Bremen das Programm dann in den Sender „Funkhaus Europa“, 2008 schloss sich der RBB an und seit der letzten Reform 2016 heißt der Sender Cosmo. Hier ging es nun nicht mehr vorrangig um Integration, sondern um Repräsentation. Cosmo wollte der (post-)migrantischen Perspektive Entfaltungsspielraum bieten und ein heterogenes Zusammenleben abbilden.
Nun möchte der WDR dieses Programm einstellen, auf der Frequenz einen Hip-Hop-Sender für ein jüngeres Publikum laufen lassen und der gesellschaftlichen Vielfalt, die zuvor bei Cosmo abgebildet wurde, in den übrigen Programmen mehr Platz einräumen. Konkrete Ideen und Ansätze, wie das umgesetzt werden soll, stehen aus. Ebenso unbeantwortet bleibt die Frage, was mit den Berliner und Bremer Redaktionen passieren soll.
Wenn nun der eine Radiosender, der (post-)migrantische Perspektiven repräsentiert, gestrichen wird, stellt sich die Frage, ob Vielfalt für den WDR wirklich kein Werbegag ist.
Der WDR führt an, durch diese „Umstrukturierung“ ein breiteres Publikum erreichen zu wollen. Anders formuliert, ist die Quote des pluralen Senders dann doch zu gering. Wenn nun der eine Radiosender, der (post-)migrantische Perspektiven repräsentiert, ohne echte Alternative gestrichen wird, stellt sich die Frage, ob Vielfalt für den WDR wirklich kein Werbegag ist. Oder ob er eben nicht mehr gut genug funktioniert. Es bleibt abzuwarten, wie Radio Bremen nun reagiert.
Anmerkung zur Transparenz:
Die Autorin Maike Partey ist auch als freie Mitarbeiterin für die Bremer Redaktion des Radiosenders Cosmo tätig.