Trauer in sieben Tagen

ANGELINA KLUGE

Wie fühlt sich Verlust an? „I.Grief.Different. Ein Trauerfest” von Ralph Tharayil am Theater Bremen ist nicht auf der Suche nach Antworten, sondern eine fragmentarische Annäherung. Das Auftragswerk, inszeniert von Miriam Ibrahim, feierte am 18. September 2026 Premiere.

Vier Schauspieler*innen verkörpern jeweils Facetten einer trauernden Person, die ihren Vater verloren hat. Das Publikum wird durch verschiedene Phasen begleitet, die den Abend in sieben Tage teilen. Entsprechend der Nicht-Linearität von Trauer passiert dies nicht als geordnete Abfolge, sondern kaleidoskopartig, sodass sich unterschiedliche Emotionen und Fragen mit jeder Drehung neu zusammensetzen. Schon in der ersten Szene prallen verschiedene Tempi aufeinander, als die vier Akteur*innen im Kreis laufen. Mal ist die Trauer rasend und produktiv, mal lähmend wie ein Stillstand.

Das Stück greift vieles auf, was selten Raum bekommt: das Tabu rund um Tod und Trauer, Survivor’s Guilt und die „neue Zeitrechnung“, die mit dem Beginn des Verlusts eintritt. Auch die Körperlichkeit der Trauer wird spürbar, denn sie sitzt im Körper und lässt sich nicht einfach abschütteln. Gesellschaftskritisch wird es, wenn das Funktionieren-Müssen verhandelt wird. „Wer trauert, arbeitet schlecht“, heißt es dort, als das Trauern im kapitalistischen System aufkommt. Dazu kommen neue Gedanken über den Tod und über das, was danach kommen könnte.

Das reduzierte Bühnenbild von Nicole Marianna Wytyczak prägt die melancholische Atmosphäre. Die Bühne ist gespickt mit grauen Felsen verschiedener Größen, die die Schauspieler*innen schieben, erklimmen oder an denen sie sich festhalten. Die Brocken wirken wie die Last der Trauer selbst und zugleich wie der einzige Halt.

Der Abend ist sowohl atmosphärisch als auch inhaltlich dicht und gibt den vielen Emotionen der Trauer Raum, ohne sie aufzulösen. Am Ende bleiben offene Fragen und das ist nur konsequent.

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